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Können Hunde COVID-19 erkennen?

German Shepherd sniffer dog

In der aktuellen Situation sind Corona-Tests wichtiger denn je. Es ist weithin anerkannt, dass Massen-Testungen ein wichtiges Mittel sein können, um die Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen. Da solche Tests in manchen Regionen und Ländern nur schwer umzusetzen sind, stellt sich die Frage, ob es andere zuverlässige Methoden gibt, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen? Einige Verhaltensexperten für Hunde glauben, dass unsere vierbeinigen Begleiter dabei eine Schlüsselrolle übernehmen können.

 

Wie können Hunde beim Kampf gegen COVID-19 helfen?

Seit dem weltweiten Ausbruch der Pandemie untersuchen Forscher, ob Hunde zuverlässig darauf trainiert werden können, mit COVID-19 infizierte Personen zu erkennen – insbesondere solche, die keine Symptome zeigen.

Der Einsatz von Spürhunden hat sich in vielen Situationen (Sprengstoffe, Drogen, Banknoten ...) als effektive Maßnahme der Detektion erwiesen. Dazu zählt auch die frühzeitige Erkennung möglicher Erkrankungen, etwa bei verschiedenen Krebsarten, Diabetes oder bevorstehende Anfälle bei Epilepsie-Patienten.
Author
— (Pirrone, Albertini, 2017)*

Ließe sich nachweisen, dass Spürhunde zuverlässig eine COVID-19-Erkrankung erkennen können, würde das im Kampf gegen die Pandemie neue Möglichkeiten eröffnen.

Worauf werden Spürhunde trainiert?

Spürhunde, die auf eine bestimmte Witterung trainiert werden sollen, müssen üblicherweise vier Ausbildungsstufen durchlaufen, bevor sie mit der Arbeit in einer realen Umgebung beginnen können.

Erste Stufe

Der Geruch wird in einer Röhre oder auf einem Stück Stoff angebracht. Der Hund spielt dann solange damit, bis er den Gegenstand mit dem Geruch in Verbindung bringt. 

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Zweite Stufe

Während der Hund dabei zuschaut, wird der Gegenstand in einem leicht zugänglichen Bereich versteckt. Anschließend der Hund aufgefordert wird, den Gegenstand zu finden. Im Laufe der Zeit werden die Verstecke zunehmend schwerer zugängliche gewählt. Positive Verstärkung wird eingesetzt, um den Hund zu ermutigen, den Gegenstand zu finden.

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Dritte Stufe

Der mit dem gewünschten Duft bedeckte Gegenstand wird nun an einem unzugänglichen Ort versteckt, ohne dass der Hund das beobachtet. Er erhält dann den Befehl, den Gegenstand zu finden und wird darauf trainiert, das Versteck anzuzeigen, wenn er den Gegenstand erschnüffelt hat.

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Vierte Stufe

Der Gegenstand wird nicht mehr verwendet und der Hund muss lernen, ausschließlich nach dem Geruch zu suchen, der mit dem Gegenstand in Verbindung gebracht wurde.

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Auf der ganzen Welt gibt es eine Reihe verschiedener Forschungseinrichtungen, die sich mit der Möglichkeit befassen, Hunde für den Nachweis von COVID-19 zu trainieren. Das französische Nosais-Projekt untersucht unter Leitung von Professor Dominique Grandjean und Clothilde an der Tierärztlichen Hochschule Alfort wie Spürhunde, die üblicherweise zum Nachweis anderer Substanzen eingesetzt werden, zu diesem Zweck eingesetzt werden können.

In der ersten Phase des Programms werden Hunde darauf trainiert, an menschlichen Schweißproben zu schnüffeln. Dabei wird untersucht, ob sie den Schweißgeruch von COVID-19-[positiven] Patienten von dem von COVID-19-[negativen] Personen unterscheiden können.
Author
— (Grandjean et al., 2020)**

Bisher sind Ihre ersten Ergebnisse vielversprechend und die Forscher kamen zum Schluss, dass es durchaus Hinweise darauf zu geben scheint, dass Hunde in der Lage sind, am Geruch zu erkennen, ob eine Person mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert ist oder nicht.

Spürhunde und Hundeführer im Flughafen

Was zeichnet einen Spürhund aus?

Der Geruchssinn eines Hundes ist um ein Vielfaches empfindlicher als der eines Menschen. Deswegen werde Spürhunde schon seit Jahrzehnten eingesetzt, um Verborgenes aufzuspüren, und deswegen könnte es auch durchaus möglich sein, dass sie an COVID-19 erkrankte Personen am Geruch erkennen können. Ideale Eigenschaften für einen Spürhund sind Verspieltheit, Dynamik und mit viel Energie, denn die Arbeit eines Spürhunds kann anstrengend sein.

An der Studie haben 18 Hunde teilgenommen, die bereits als Spürhunde für Sprengstoffe, Banknoten, Verschüttete oder bestimmte Krankheiten ausgebildet waren. Drogen-Spürhunde wurde jedoch in der Studie bewusst nicht berücksichtigt.

Wir haben darauf verzichtet, Drogen-Spürhunde für die Studie einzusetzen, da wir nicht ausschließen konnten, dass die menschlichen Teilnehmer vor Beginn der Studie vielleicht Substanzen eingenommen hatten, die dann von den Hunden erkannt worden wären.
Author
— (Grandjean et al., 2020)**

Belgische und Deutsche Schäferhunde sowie Labradore werden häufig als Spürhunde eingesetzt. Zunehmend kommen jedoch auch kleinere Rassen wie Cockerspaniel oder Yorkshire Terrier zum Einsatz, da sie in schwer zugänglichem Geländleichter vom Hundeführer getragen werden können.

Können Hunde an COVID-19 erkranken?

Nach bisherigem Erkenntnisstand wird COVID-19 ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Nach Aussage der World Organisation for Animal Health (OIE) gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass Tiere bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 eine Rolle spielen. 

Hier finden Sie unsere ständig aktualisierte Hinweise im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den möglichen Auswirkungen für Ihr Haustier.

Wie könnten Corona-Spürhunde möglicherweise eingesetzt werden?

Da vielerorts die Kapazitäten für großangelegte Massen-Testungen fehlen, ist es unserer Meinung nach wichtig zu untersuchen, ob der Einsatz von Spürhunden zur Erkennung von COVID-19 unter bestimmten Umständen eine einfache, schnelle und zuverlässige Alternative zu anderen Tests darstellen kann.
Author
— (Grandjean et al., 2020)**

Wenn Spürhunde wirklich in der Lage sein sollten, an COVID-19 erkrankte Menschen zuverlässig zu erkennen, könnte das beispielsweise an Flughäfen zu einer schnellen und reibungslosen Einreise beitragen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Libanon werden entsprechend trainierte Hunde bereits an Flughäfen eingesetzt; in Finnland und Korsika laufen ebenfalls erste Feldversuche. 

Im weiteren Verlauf der Studien scheinen die ersten Forschungsarbeiten positive Ergebnisse zu liefern. Es besteht die Hoffnung, dass bald mit umfassenderen Tests an der breiten Öffentlichkeit begonnen werden könnte, und diese Hunde in der Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der Verbreitung des Virus und dem Schutz von Menschen spielen könnten.

 

*Pirrone, F. and Albertini, M., 2017. Olfactory detection of cancer by trained sniffer dogs: A systematic review of the literature. Journal of Veterinary Behavior, 19, pp.105-117.

**Grandjean et al., 2020. Detection dogs as a help in the detection of COVID-19 Can the dog alert on COVID-19 positive persons by sniffing axillary sweat samples ? Proof-of-concept study.